Das Dorf

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Im Jahre 1505 kaufte die Stadt Erfurt das heruntergewirtschaftete Gut der heutigen Wasserburg, nachdem sie in mühevollen, fast hundertjährigen Verhandlungen die Ländereien Ollendorfs erworben hatte. Nach einem großen Brand auf dem Herrenhaus im Jahre 1694 ist dieses anschließend wieder aufgebaut worden. Zum Burglehen gehörten 400 Acker Land, 12 Acker Weinberge, zwei große Baumgärten, das Vorwerk, der Backofen, die Gerichte über Hals und Hand und die beiden Schenkstätten. 1813 rastete Napoleon auf seinem Rückzug eine Nacht auf der Wasserburg. Der größere Ausspannhof im Oberdorf (Haus 109) wurde 1492 neu erbaut und erhielt im 16. Jahrhundert seine heutige Gestalt als ein breitgelagerter, symmetrisch gegliederter zweigeschossiger Bau mit einem mächtigen Walmdach und einem schön gearbeiteten Eingangstor. Der dahinterliegende Vierseithof faßte 100 Pferde. Dem Schenkhof neben der Unterkirche gegenüber lagen das Geleithaus und das Hospital, in dem noch Anfang des 20. Jahrhunderts Arme und Kranke gepflegt worden.

Gericht wurde schon seit uralten Zeiten auf dem Dinkberg gehalten, der südlich an der Grenze zu Niederzimmern liegt und bis heute auch unter dem Namen Galgenberg bekannt ist. Über allem wachte im Auftrag des Reiches der Landesherr, der in Ollendorf jährlich drei Vogteigerichte abhalten ließ, die seit dem 18. Jahrhundert auf dem Dorfplatz vor der Unterkirche gehalten wurden. Es wird erwähnt, daß die besondere Lage Ollendorfs schon früh zu einer guten Schulbildung der Bevölkerung führte. 1640 konnten 87 % der männlichen und 41 % der weiblichen Bevölkerung Ollendorfs lesen und schreiben. Eine durch den Pfarrer des Dorfes geleitete Schule wurde sogar schon 1558 erwähnt.

Die Schule in der Angergasse 114 ist 1825, das Parrhaus 1836 nach Entwürfen gebaut worden, die unter Leitung C. W. Coudrays in der Oberbaubehörde des Großherzogtums Weimar entstanden sind. Das Kriegerdenkmal am Kirchturm der Unterkirche gestaltete der Direktor des Weimarer Bauhauses Walter Gropius im Jahre 1922.

Es bleibt zu erwähnen, daß 1848 die erste demokratische Partei unserer Gegend in Ollendorf gegründet worde. Im Jahre 1887 hatte Ollendorf bereits eine Wasserleitung. 1904 erhält Ollendorf den ersten Telefonanschluß. Bis jeder Haushalt sein eigenes Telefon bekam, vergingen jedoch noch weitere 90 Jahre. 1906 wird Ollendorf an das Stromnetz angeschlossen. Und im Jahre 1993 erhält der Ort eine Kläranlage für Abwässer.

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